TP5: Ozean-Eis-Wechselwirkung an peripheren Gletschern von Grönland

Periphere Gletscher (PG) stellen nur einen kleinen Teil der Oberfläche und des Eisvolumens Grönlands dar, sind aber stark überproportional an der Massenänderung Grönlands beteiligt. Sie machen damit – unabhängig vom Verhalten des Eisschilds und seiner Auslassgletscher –einen besonders sensitiven Teil der Süßwasserbilanz Grönlands aus. Während es relativ robuste Abschätzungen der Massenbilanz an der Oberfläche der PG gibt (häufig auch als„klimatische“ Massenbilanz bezeichnet, da es hier um Wechselwirkungen zwischen Eis und Atmosphäre geht), gibt es keinerlei Abschätzung für die Rolle der Ozean-Eis-Wechselwirkung für die Massenänderung grönländischer PG. Damit fehlt nicht nur eine quantitativ vollständige Abschätzung des Beitrages der PG zur gesamten Massenbilanz, sondern auch ein qualitatives Verständnis der Relevanz der zur Massenänderung beitragenden Prozesse. Da die räumliche Verteilung der PG deutlich anders ist als die Verteilung der Auslassgletscher des grönländischen Eisschilds, kann man davon ausgehen, dass das von PG stammende Süßwasser für andere Wechselwirkungen zwischen Ozean und Eisverantwortlich ist als das Schmelzwasser des Eisschilds. In jedem Fall ist – insbesondere inder Modellierung – aufgrund der Skalenunterschiede zwischen PG und Eisschild eine gesonderte Behandlung nötig, um den Anteil der PG an der Wasserbilanz Grönlands überhaupt abbilden zu können. Im Teilprojekt 5 „Periphere Gletscher“ soll das Verständnis für die Prozesse vertieft werden,die maßgeblich das Verhalten der PG steuern. Dazu wird erstmals eine speziell für grönländische PG entwickelte Parametrisierung der Eis-Ozean-Wechselwirkungen in einemexistierenden Gletschermodell implementiert, kalibriert, validiert und angewendet werden. Das verwendete Gletschermodell ist in der Lage, mittels mehrerer gekoppelter Fließlinien die Dynamik, Geometrie und Massenbilanz jedes einzelnen PG Grönlands zu rekonstruieren und zu projizieren. Daraus wird – in Kombination mit entsprechenden Daten für den Eisschild aus anderen Teilprojekten des Verbundes – erstmals eine modellbasierte, vollständige (d. h. auch das Kalben der PG berücksichtigende) Abschätzung der Massenänderung Grönlands vorliegen.