TP8: Schmelzwasserproduktion und klimatische Massenbilanz an der Oberfläche des 79°N-Gletschers

In den vielfältigen und komplexen Interaktionen zwischen Teilsystemen des Klimas, die das Verhalten der großen Auslassgletscher Grönlands steuern, kommt ein entscheidender Antrieb aus der Atmosphäre. Die atmosphärisch gesteuerten Schmelzraten an der Oberfläche der Gletscher haben wiederum große Bedeutung für die Eisdynamik: supraglaziales Schmelzwasser dringt über Wasserkanäle in das Gletscherinnere und an dessen Basis und trägt so zu mechanischen und thermodynamischen Vorgängen bei, die die Stabilität des gesamten Gletschers beeinflussen. Dieses Teilprojekt konzentriert sich auf die Wechselwirkung Atmosphäre-Gletscheroberfläche und verfolgt zwei Ziele. (1) Bestimmung der klimatischen Massenbilanz (KMB) in hoher räumlicher Auflösung auf dem 79N-Gletscher mit besonderem Fokus auf die Menge der supraglazialen Schmelzwasserproduktion; (2) Bestimmung der atmosphärischen Dynamik, die die KMB in verschiedenen räumlichen und zeitlichen Größenordnungen (Skalen) steuert. Die Methodik beruht dabei sowohl auf direkten meteorologischen Messungen in der bodennahen atmosphärischen Grenzschicht und auf einem multiskaligen Modellsystem, das zwei verschiedene Modelle in neuartiger Weise vereint. Das Teilprojekt fügt den meteorologischen Baustein zu GROCE hinzu. Ein gewichtiges Resultat wird die Ermittlung der räumlichen Verteilung der supraglazialen Schmelzraten sein – und zwar in der hohen räumlichen Auflösung von 1 km, die für eine lokale Fallstudie die adäquate Grundlage bietet. Zudem wird das Teilprojekt zeigen, wie sich mesoskalige atmosphärische Prozesse in die Gletschergrenzschicht fortpflanzen und dort die KMB gestalten, was neue Einsichten zum atmosphärischen Antrieb von Auslassgletschern aus einer detaillierten kausalen Sichtweise ermöglicht.