Teilprojekt 2: Basales Schmelzen des 79°N-Gletschers und Ozeanzirkulation

Beobachtungen in internationalen Programmen unter führender Beteiligung des AWI zeigen eine deutliche Erwärmung des atlantischen Einstroms ins Europäische Nordmeer und die Arktis. Daraus ergibt sich die Frage, inwieweit in Zukunft diese Erwärmung auch die marinen Auslassgletscher an der Nordostküste Grönlands, wie den 79°N-Gletscher, destabilisiert, die bis vor wenigen Jahren noch zu den stabilsten Gletschern Grönlands gehörten. In diesem Teilprojekt soll der Einfluss von warmem Atlantikwasser auf das basale Schmelzen unter der Eiszunge des 79°N-Gletschers (im Folgenden als 79NG bezeichnet) untersucht werden. Basales Schmelzen unter der Gletscherzunge wird als ein wesentlicher Faktor für die Destabilisierung des Gletschers und des speisenden Eisstroms vermutet. Die Durchführung der dazu benötigten Messungen stellt allerdings eine besondere technologische und logistische Herausforderung dar.

Für die Erfassung der basalen Schmelze wurden 2017 im Zuge der iGRIFF-Kampagne auf dem schwimmenden Teil des 79NG phasensensitive Radarstationen installiert, welche die Eisdicke kontinuierlich über den Jahresverlauf registrieren. Um auch die räumliche Verteilung der mittleren Schmelzraten zu erfassen, sind diese Zeitreihen durch flächendeckende Radarvermessungen der Eisdicken während der iGRIFF Kampagnen in 2017 und 2018 ergänzt worden. Mit dem Forschungseisbrecher Polarstern wurden im Sommer 2016 und Spätsommer 2017 die Wassermasseneigenschaften, die Strömung, sowie die Topographie des Meeresbodens vor der Gletscherfront vermessen. Zusätzlich wurden Verankerungen unmittelbar vor der Gletscherzunge ausgelegt mit denen Strömung, Temperatur und Salzgehalt kontinuierlich (d.h. über das ganze Jahr hinweg) in der Wassersäule aufgezeichnet werden. Mittels dieser Messungen können wir die Stärke und Variabilität der ozeanischen Wärmezufuhr zum Gletscher berechnen und somit die Rolle des Ozeans auf das Schmelzen an der Eisunterseite des 79°N-Gletschers abschätzen.

Das Teilprojekt wird zusätzlich die Synthese des Verbundvorhabens im Bereich des regionalen Süßwasserhaushalts im Bereich Nordostgrönlands koordinieren.